Erste Bikepaking-Tour

Bikepaking – ein Weg, um eine Ich-Inventur zu machen. Wo bin ich und wo will ich eigentlich hin? Für die Tour wusste ich es genau. Los ging es in München direkt vor der Haustüre.

Gedacht (nicht geplant) war dann an der Isar entlang bis zur Donau, danach Richtung Inn und ab Wasserburg Richtung Aßling.

Mein Fahrrad
Mein Trek Checkpoint

Nach dem verregneten Montag startete ich erst am Dienstag, dann aber bei bestem Wetter. Ich fahre fast alleine auf dem rechten Isarradweg immer dem Wasserlauf folgend. Die Wassermassen sind teilweise beängstigend und ich möchte da nicht hineinfallen. Der Radweg ist aber selten so nah an der Isar, dass es hier eine Gefahr geben könnte.
Ich erinnere mich noch an die Stelle, wo bei meiner letzten Kurztour ein Raubvogel direkt vor mir sitzt und bis ich mein Handy für ein Foto in der Hand hatte, entschwebte er aus meinem Blickfeld. Somit bleibt es ein Bild in meinem Kopf – die Natur ist so nah.

Leider holte mich in Freising meine Selbstständigkeit kurz nochmal ein und ich musste telefonieren. Danach sollte dann aber die Arbeit aus meinem Kopf bleiben. So treibt es mich immer weiter Fluss abwärts und es scheint, dass sich die Isar nach Freising zu einem großen Fluss ausbreitet. Die Isar wird hier um einiges breiter als man dies vor München kennt. Trotz Wehre ist die Isar immer wieder ein schöner Anblick und lädt des öfteren zum Verweilen ein.

Spätestens beim Blick auf das Kernkraftwerk in Ohu holt einen die Realität wieder ein. Endlich vorbei an Ohu und schon geht mir die Frage durch den Kopf, wie soll das mit der E-Mobilität funktionieren. Brauchen wir da weiterhin diese Monster?

Ohu - Blick auf das Kernkraftwerk
Kernkraftwerk in Ohu

Schnell fahre ich weiter bis zu der ersten Kaffeepause. Mit neuen Kräften geht es Richtung Plattling, wo ich auch mein erstes Etappenziel habe und mir einen Schlafplatz suche (ca. 151 km).

Zweiter Tag

Wegen den nervigen Mücken bin ich noch in der Dämmerung aufgebrochen und ein Abenteuer begann. Ich fuhr nach Handykarte (PhoneMaps), auf der kleinste Wege eingezeichnet sind. Ich wollte ja so nah wie möglich an der Isar bleiben, was auch dazu führte, dass die Wege ziemlich zugewachsen sind. Auf einmal ging es nicht mehr weiter. Der Weg, auf den ich abgebogen bin, war überschwemmt.

Ich scheuchte dort dann auch gleich hunderte Vögel auf und bin dabei so erschrocken, dass ich nicht einmal ein Foto machte. Das war ein Anblick – wenn solche Massen an unterschiedlichsten Vögeln auf einmal starten. Ich suchte mir dann einen anderen Weg, aber auch da blieb mir nichts anderes übrig als durch das Wasser zu warten. Ich konnte aber wenigstens sehen wie tief es da ist und welcher Untergrund mich erwartetet. Gut, dass meine Schuhe wasserdurchlässig sind, so konnte das Wasser auch wieder raus.

Nach einigem Hin und Her befand ich mich dann wieder auf dem Radweg nach Deggendorf. Den Ort ließ ich aber links liegen und bin gleich auf den Donauradweg abgebogen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat sich die Sonne noch nicht blicken lassen und ich hatte auch noch keinen Kaffee – nicht die beste Voraussetzung für gute Laune (gut, dass die Natur entschädigt). Nach einiger Zeit kam auch noch ein Umleitungsschild – der Donauradweg wird neu gemacht Krrrrr.

Aber das war jetzt sogar gut so. Dadurch kam ich in einen Ort, bei dem ein Cafe (EDEKA) bereits vor 8:00 Uhr auf hatte. Endlich Kaffee und meine Wasserversorgung auffüllen, schon schaut doch der Tag trotz fehlender Sonne besser aus. Stimmungsaufheiternd auch die freundlichen Menschen (Einheimische) in der Umgebung, alle grüßen und ab und zu kommt es auch zu einem netten Gespräch.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass es an der Donau entlang zwischen Deggendorf und Passau nicht so schön ist wie zuvor an der Isar. So machte ich dann in Passau auch keine große Pause, da es mir einfach zu stressig war in dieser Stadt. Ich schaute also nur, dass ich schnell auf den Innradweg kam.

Gleich nach Passau habe ich dann doch eine Pause gemacht und meinen Schlafsack zum trocknen ausgepackt. Der Wetterbericht zeigt mir aber, dass es in ca. einer Stunde regnen soll. So machte ich mich lieber schnell auf den Weg und somit war es dann doch eher eine kurze Pause. Es ging nun stetig Berg auf und Berg ab, zwischenzeitlich musste ich sogar auch schieben. Die Landschaft ist aber sehr schön.

Leider nur eine kurze Pause

Ab Neuburg am Inn fing es dann auch an, wie angekündigt, leicht zu regnen. Mein Plan war jetzt eine Unterkunft zu finden, was aber zu einer echten Herausforderung wurde. Nach einigen angefahrenen Pensionen meinte ein Wirt, dass ich wahrscheinlich nur in Simbach noch ein Zimmer bekommen werde. So also nun im strömenden Regen weiter nach Simbach, es war aber nicht kalt.

Wie es bei uns in Bayern leider Fakt ist, gibt es in manchen Orten/Städten kein Internet (LTE). Somit kann ich auch nicht per Handy nach einer Pension suchen. Per Zufall sehe ich ein Schild und habe dann mitten in Simbach ein einfaches Hotel gefunden. Zufall – glaube ich nicht. Ich wurde hingeführt und alles zuvor hatte nur das Ziel, dass ich auch dort nach ca. 130 km lande.

Warum? Ein einfaches Hotel, geführt von einem Ehepaar, das bereits die 80 erreicht hatte. Ihr Sohn hilft mit, der übrigens Triathlet ist und in den Wirtsräumen stehen Pokale und an den Wänden hängen Zeitungsausschnitte (einige Titel darunter auch Europameister).
Fasziniert hat mich, wie die Frau den Laden schmeißt und abends in der Wirtschaft bedient und gleichzeitig auf den bereits dementen Ehemann aufpasst – ich hoffe, ich habe in diesem Alter auch noch so viel Energie wie diese faszinierende Frau. Das Essen dort war „sehr gut“ (es kocht der Sohn). Die Übernachtung für 40 Euro mit Radunterstellplatz – auch ein Schnäppchen.

Dritter Tag

Nach dem Frühstück ging es zuerst durch den Nebel weiter Richtung Wasserburg. Allmählich wird es klar und der blaue Himmel kommt zum Vorschein. Der Radweg selbst, auch wieder ein Auf und Ab und meine Gedanken kreisten ständig um – bleib ich noch in Wasserburg oder fahre ich weiter Richtung München?

Wasserburg
Wasserburg

In Wasserburg kehre ich erst einmal zum Essen ein und dabei entschied ich mich auch gleich, dass ich nicht in Wasserburg bleibe, sondern weiterfahre – zu viel Touristen. 100 km hatte ich an diesem Tag schon hinter mir und noch ca. 60 km vor mir.
Leider musste ich um Strecke zu machen oft direkt auf der B 304 fahren. Somit ist der Weg von Wasserburg nach München nicht von Natur geprägt, sondern mehr ein in Trance dahinrollendes Weiterkommen. Zeit auch wieder über das Warum nachzudenken – nicht das Warum fahre ich 447 km in drei Tagen, sondern das Warum des Lebens.

Mein Gravel Bike – Trek Checkpoint 4

Ein perfektes Bike mit gutem Preis-Leistung-Verhältnis.
Danke Evo, Litewheelz Bernau.

Zuhause angekommen fühle ich mich glücklich und irgendwie befreit, ich weis nur nicht von was. Gelernt habe ich auch, dass ich bei der nächsten mehrtägigen Tour andere Dinge einpacken muss. Was wichtig ist weis man halt oft erst danach – wie auch im Leben. So, nun muss erst mal der Hintern gepflegt werden.

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